Neue Glocke gegossen

Guss der neuen Glocke für die Christi-Himmelfahrt-Kapelle in Herdtlinsweiler

Am Freitag, 10. Mai, wurde in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen in Anwesenheit einer kleinen Delegation des Kapellenvereins eine neue Glocke für die Christi-Himmelfahrt-Kapelle in Herdtlinsweiler gegossen. Für die Mitreisenden war dies ein ganz besonderes Erlebnis, von dem sie sicherlich noch lange berichten werden.

Dankbar nahm der Vorstand des Kapellenvereins das Angebot von Ernst Deschler an, der Kapelle eine Glocke zu spenden. Der Kontakt mit der Glockengießerei Bachert wurde hergestellt und die Planungen begannen. Es gab einiges zu berücksichtigen, der vorhandene Deckeneinstieg zum Glockenturm ließ nur eine bestimmte Größe mit maximal 50 kg Gewicht zu. Vertreter der Glockengießerei waren in Herdtlinsweiler und haben den Ort der Aufhängung besichtigt.

Kurzfristig wurde der Termin für den Glockenguss genannt. 10. Mai – gleichzeitig Eröffnungstag der Remstal Gartenschau. Ein kleiner Bus wurde angemietet und 8 Personen machten sich am frühen Morgen auf den Weg nach Neunkirchen.

Von einem Vertreter der Glockengießerei erfuhren wir, dass keine Glocke einer anderen gleicht. Jede ist ein einzeln gefertigtes Exemplar. Der erste Teil der Glockenform wird aus lufttrockenen Lehmsteinen hohl gemauert und dann von innen heraus getrocknet. Darauf wird mit Gerstengrannen, Pferdemist und weiteren Zusätzen vermengter Lehm aufgetragen. Dies wird mit immer feinerem Lehm so lange wiederholt , bis ein glatter Kern aus Lehm entstanden ist, der dem Hohlraum der Glocke entspricht. Dies nimmt viel Zeit in Anspruch, da jede einzelne Schicht trocken sein muss, bevor die nächste aufgetragen werden kann.

Das zweite Formteil entsteht ebenfalls durch Auftragen von Lehmschichten. Am Schluss wird eine Talg- oder Wachsschicht angebracht, auf die Bildwerke, Verzierungen oder Schriften aufgesetzt werden können. Die Form ist jetzt ein genaues Abbild der Glocke.

Beim dritten Abschnitt der Form werden Schichten ganz feinen Zierlehms auf die Wachsschicht aufgetragen. Dies geschieht so lange, bis der Mantel die errechnete, der Formgröße entsprechende Dicke hat. Zwischen ihm und der Kernform ist ein Hohlraum entstanden, welcher beim Guss mit Metall gefüllt wird. Die Glockenform wird in eine Gussgrube gehoben. Schichtenweise wird Erde darüber eingebracht, auf der Oberfläche werden offene Rinnen gemauert, die das flüssige Metall zu den Gusslöchern leitet. Im Schmelzofen wird die Glockenbronze bei ca. 1 100 Grad geschmolzen. Es ist wohl der beeindruckendste Teil des Glockengusses, wenn aus einem glühenden Metallbehälter die glühende Bronze in die Glockenform rinnt. Nach dem Gießen hat die Schmelze in der Form immer noch eine Temperatur von etwa 1.000 Grad Celcius. Diese muss nun erkalten und in der Form erstarren. Das dauert mehrere Tage. Anschließend wird die Glocke aus der Gießgrube gehoben und Mantel sowie Kern werden entfernt. Anschließend wird die Glocke geputzt, das Gießsystem wird entfernt.

Die Glocke wird am Donnerstag, 30. Mai 2019, Christi Himmelfahrt, von Pfarrer Psenner gegen 11 Uhr gesegnet. Vorher  besteht die Möglichkeit, an der traditionellen Öschprozession von Weiler nach Herdtlinsweiler teilzunehmen. Diese startet um ca. 10.00 Uhr in Weiler bei der Abzweigung zu den Steinbacher Höfen. Nach der Segnung der Glocke ladet der Dorfentwicklungsverein ein, das Dorffest von Herdtlinsweiler zu besuchen. 

Zurück